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So wird man zu Pflegeeltern

Um Pflegeeltern werden zu können, müssen sich Interessierte in einem „Bewerbungsverfahren“ bewähren. Hierbei handelt es sich jedoch nicht um ein Vorstellungsgespräch, in dem man sich besonders gut „verkaufen“ muss. Uns geht es darum, Sie in Ihrem Alltag kennenzulernen, um gemeinsam herauszufinden, welche Kinder oder Jugendliche zu Ihnen passen. Grundsätzlich suchen wir die am besten passendste Familie für die zu vermittelnden Minderjährigen und nicht umgekehrt!

So unterschiedlich wie die Pflegekinder sind auch die Pflegeeltern. Um ein Pflegekind bei sich aufnehmen zu können, spielt es keine Rolle, ob Sie verheiratet, alleinstehend oder in gleichgeschlechtlicher Beziehung leben. Ebenfalls können Sie auch dann ein Pflegekind bei sich betreuen, wenn Sie eigene Kinder haben. Natürlich muss dann aber auf die leiblichen Kinder besondere Rücksicht genommen werden. Gleiches gilt für weitere Haushaltsmitglieder, z. B. die eigenen Eltern.

Wenn Kinder auf Dauer in Pflegefamilien aufwachsen, sollte ein Eltern-Kind entsprechender Altersabstand bestehen. Deshalb sollten Pflegeeltern zum Zeitpunkt der Volljährigkeit eines Pflegekindes nicht älter als 65 Jahre sein.

Da Kinder viel Platz zum Toben, Spielen und Lernen benötigen, muss ein ausreichender Wohnraum bestehen. Für die meisten Pflegekinder ist ein eigenes Zimmer wichtig, denn sie brauchen Rückzugsmöglichkeiten.

Alle Pflegeeltern müssen in stabilen finanziellen Verhältnissen leben. Somit dürfen Sie nicht finanziell vom Pflegegeld abhängig sein, das Ihnen monatlich als Unterhaltsleistung des Kindes zur Verfügung steht.

Sie müssen körperlich und psychisch belastbar sein. Bestehende Krankheiten dürfen sich nicht negativ auf die Versorgung und Fürsorge eines Pflegekindes auswirken.

Zu bedenken gilt, dass Pflegekinder aufgrund ihrer bisherigen Lebensgeschichte, viel Zeit und besondere Zuwendung von Ihnen benötigen. Dies ist nicht immer mit der Vollzeit-Berufstätigkeit eines Pflegeelternteils vereinbar.

Für Pflegekinder ist es wichtig, dass sie Familie erfahren können. Daher dürfen und müssen Sie Ihnen Liebe und Beziehung schenken.

Doch auch die Beziehung zu den leiblichen Eltern ist für Pflegekinder wichtig. Es ist daher Aufgabe aller Pflegeltern, die Herkunft ihres Pflegekindes zu würdigen und Kontaktwünsche zu unterstützen. Kontakte zur Herkunftsfamilie gestalten sich individuell (postalisch, telefonisch, persönlich) und orientieren sich in Art und Umfang immer am Wohl des Pflegekindes. Nur in ganz besonderen Einzelfällen (z. B. bei sexuellem Missbrauch) sind die Kontakte zur Herkunftsfamilie ausgesetzt. Grundsätzlich gilt jedoch: Umgänge finden niemals im Haushalt der Pflegeeltern statt!

Pflegekinder stammen aus Familien, die die Versorgung, Fürsorge und Erziehung ihrer Kinder nicht mehr ausreichend gewährleisten konnten. Dies hinterlässt Spuren, die sich auch im Alltag mit Pflegekindern zeigen, z. B. durch Ängste, Aggressionen, Entwicklungsverzögerung und viele weitere. Daher ist die Erziehung eines Pflegekindes auch nicht mit der eines leiblichen Kindes vergleichbar.

Um den Pflegekindern negative Folgen ihrer bisherigen Lebenserfahrung zu nehmen oder zu mildern, ist Ihre Bereitschaft zur Zusammenarbeit mit dem Jugendamt und weiteren Institutionen (z. B. Psychologen, Förderschulen, Beratungsstellen) erforderlich.

Der Ablauf des Bewerberverfahrens

Wenn Sie Interesse an der Aufnahme eines Pflegekindes haben, setzen Sie sich mit den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des Pflegekinderwesens des Landkreises Eichsfeld in Verbindung. Die Kontaktdaten sind am Ende dieser Seite aufgeführt.

Nach der Kontaktaufnahme mit uns läuft das Bewerbungsverfahren dann wie folgt ab:

1. Erstgespräch

Hier können Sie sich erste Informationen einholen, Fragen stellen und über Ihre Absicht der Aufnahme mit uns sprechen. Wir werden Sie hier im Allgemeinen über die wichtigsten Dinge informieren (z. B. Formen der Vollzeitpflege, Situation von Pflegekindern usw.), um Ihnen einen Kurzüberblick zu verschaffen. Dann erhalten Sie Zeit, in Ruhe nachzudenken, ob Sie Ihren Wunsch weiter verfolgen möchten.

2. Start der Bewerbungsphase

Möchten Sie nach Ihrer Bedenkzeit den Weg zur Pflegeelternschaft fortsetzen, beginnt das eigentliche Bewerberverfahren. In mehreren Gesprächen, sowohl bei Ihnen zu Hause, als auch im Jugendamt, werden wir Sie auf Ihre Tätigkeit als Pflegeeltern vorbereiten. Diese Termine werden gewöhnlich von 2 Fachkräften durchgeführt. Hier besprechen wir im Detail alle wichtigen Aspekte der Vollzeitpflege. Nach Abschluss dieses Prozesses sollten Sie Gewissheit darüber haben, ob Sie ein Pflegekind betreuen möchten und wenn ja, wo Sie Ihre persönlichen Stärken und Grenzen sehen. Generell gilt: Es gibt kein Richtig oder Falsch!

Innerhalb dieser Phase holen wir über verschiedene Unterlagen die notwendigen Informationen ein, um Ihre persönliche Eignung als Pflegeeltern prüfen zu können. Hierzu gehören ausnahmslos:

  • Gesundheitszeugnis Ihres Hausarztes
  • Einkommensnachweise
  • Angaben über Ihre persönlichen Verhältnisse (Einkommen, monatliche Fixkosten usw.)
  • erweitertes Führungszeugnis
  • Fragebogen zu Ihren Wünschen und Vorstellung betreffend eines Kindes und dessen Familie
  • Lebensbericht (enthält Lebenslauf und Angaben zur eigenen Kindheit)

3. Pflegeeltern-Seminar

Durch den Sozialdienst katholischer Frauen e. V. wird regelmäßig ein vertiefendes Pflegeeltern-Seminar angeboten. Die Teilnahme an dieser Veranstaltung ist für alle Bewerberinnen und Bewerber vor der Aufnahme eines Kindes verpflichtend. Dieser Kurs soll Sie auf das Leben als Pflegefamilie vorbereiten und Ihnen die Möglichkeit bieten, sich selbst einschätzen zu können.

4. Feststellung der Eignung und Abschluss des Verfahrens

Am Ende des Bewerberverfahrens erhalten Sie eine Rückmeldung, für welche Fallkonstellationen wir Sie für geeignet halten. Diese Einschätzung ergibt sich aus einem mehre Monate andauernden und standardisierten Prozess.

Wann ist man „persönlich geeignet“?

Die Eignung setzt sich aus verschiedenen Kriterien zusammen. Grundsätzlich müssen Ihre Persönlichkeit und die von Ihnen mitgebrachten Rahmenbedingungen mit dem Aufnahmewunsch stimmig sein. Wir setzen grundlegend voraus, dass

  • Sie in stabilen finanziellen Verhältnissen leben und nicht vom Pflegegeld abhängig sind.
  • Sie körperlich gesund sind bzw. bestehende Erkrankungen sich nicht negativ auf die Betreuung von Pflegekindern auswirken.
  • Sie psychisch gesund und stabil sind. Wenn ehemals psychische Probleme bestanden haben (z.B. Burnout), müssen diese austherapiert sein.
  • Sie nicht vorbestraft sind.
  • Sie als Paar beide ein Pflegekind unterstützen möchten.
  • Kinder und andere Haushaltsmitglieder Ihrem Aufnahmewunsch zustimmen.
  • bei bestehender Pflege von Angehörigen, diese mit der Tätigkeit als Pflegeeltern vereinbar ist.
  • Sie über einen angemessenen Wohnraum verfügen.

Neben diesen Aspekten bestehen weitere persönliche Ausschlusskriterien, wie:

  • Dankbarkeitserwartung gegenüber dem Pflegekind
  • Rein materielle oder sonstige unstimmige Aufnahmemotivationen
  • Fehlende Mitwirkungsbereitschaft bezüglich Jugendamt und Hilfeprozess
  • Ablehnung der Herkunftsfamilie